Pfr. Michael Zlamal

Michael Zlamal ist Pfaffer in Obertshausen.

In ihrer 2000-jährigen Geschichte hat die Kirche viel Schuld auf sich geladen, in dem sie sich geradezu hochmütig von der Wurzel getrennt hat, die sie tragen sollte. Jesus ist der Messias des Volkes Israel und war zu erst zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt (Vgl. Mt 15,24). Gleichzeitig erfüllen sich in ihm die Verheißungen der Propheten Israels: „Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.“ (Jesaja 49,6). Der Messias Israels ist das Licht der Völker!

Die Trennung zwischen den Juden und den Nichtjuden in der Kirche geschah ganz am Anfang. Die in den Kirchen gelebte Form des Christentums nahm ihren Anfang in den Jahrhunderten, in denen das Evangelium immer mehr in nicht-jüdischen Kulturen verkündigt wurde und Menschen dort durch den Messias Jesus den kennenlernen, der allein wahrer Gott ist, den Gott Israels, der Mose das Gesetz übergeben hatte, durch die Worte der Propheten zu seinem Volk geredet hat und die Beziehung zu all seinen Menschen sucht. (Vgl. Joh 17,3). Als das Evangelium Annahme in den anderen Kulturen fand, geriet der jüdische Ursprung immer mehr in Vergessenheit. Juden, die an Jesus als Messias glauben und in diesem Glauben Juden bleiben, führen uns durch ihr Bekenntnis zurück an den Anfang unseres Glaubens und erinnern uns, dass die, die uns das Evangelium als erstes verkündigt haben, Menschen jüdischen Glaubens waren, die wollten, dass wir den Gott Israels kennen lernen.

Als ordinierter Pfarrer ist es mir wichtig, meine Gemeinde immer wieder dafür zu sensibilisieren, das Jüdische in unserem Glauben wahrzunehmen. Egal ob Taufe, Abendmahl, die Schriftlesung aus dem Ersten Testament, überall können wir uns daran erinnern lassen. Die Predigt eines messianisch-jüdischen Rabbis in unserer Gemeinde machte es uns noch einmal ganz neu bewusst,  wie die trennende Wand der Feindschaft durch das Sterben des Herrn niedergerissen ist und wir gemeinsam in ihm ein neuer Mensch sind.